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Hey Blues 👋

Wenn du auch aktiv auf LinkedIn bist, sind dir diese Woche bestimmt 2 Dinge aufgefallen: Das neue "Seems like AI Slop"-Feature und, dass die Beitragspreview auf einmal nicht 3 Zeilen (wie immer), sondern jetzt bis zu 7 Zeilen anzeigt.

(Ich musste zweimal hinschauen und prüfen, ob das nicht nur ein UI-Fehler ist)

Mir wurde nochmal bewusst, wie sich alleine in den letzten drei Monaten auf LinkedIn verändert hat. Hier sprechen wir nicht von kosmetischen Updates. Das sind Änderungen, an denen ich meine LinkedIn-Strategie gerade aktiv anpasse. Für mich und für meine Kund:innen.

Lass uns heute doch einmal die Updates der letzten 3 Monate durchgehen, damit du auch up-to-date bist und erfährst, wie ich meine Strategie jeweils anpassen werde.

In dieser Ausgabe:

  • Der neue Slop-Button und warum ich an der Lösung zweifle, obwohl ich das Problem feiere

  • Zwei Änderungen, die noch in keinem Guide stehen (ich habe gesucht)

  • Wie ich Kollaborative Beiträge nutzen werde, um aus meiner Bubble rauszukommen

Let’s go! 🕺

Der “Seems like AI-Slop”-Button

Fangen wir mit dem größten Brocken an. Am 30. Juli hat LinkedIn offiziell angekündigt, was ich schon in meinem Feed entdeckt hatte: Jeder Beitrag hat jetzt im Drei-Punkte-Menü die Option "Seems like AI Slop".

Die Zahlen dahinter erklären, warum LinkedIn das Thema so ernst nimmt:

→ Über 40 % der Long-Form-Posts auf LinkedIn sind laut der KI-Erkennungsfirma Pangram komplett KI-generiert.

→ LinkedIn blockt nach eigener Aussage täglich hunderttausende automatisierte Kommentar-Versuche.

→ Jeder Klick auf den Button trainiert LinkedIns eigene Klassifizierer. Die Community labelt also mit, was Slop ist und was nicht.

Chief Product Officer Hari Srinivasan hat dazu einen interessanten Satz gesagt: "AI and slop are not the same thing." Wer KI nutzt, um seine Gedanken zu schärfen, ist nicht das Problem. Das Problem sind Beiträge ohne erkennbare eigene Perspektive.

Und jetzt meine ehrliche Meinung dazu.

Ich feiere, dass LinkedIn AI Slop als das größte Problem der Plattform benennt und aktiv dagegen vorgeht. Ich kann mir vorstellen, wie schwer dieser Kampf ist. Zumal ich vorher nie das Gefühl hatte, dass Slop wirklich abgestraft wird (auch wenn es so kommuniziert wurde).

Und zumal LinkedIn in meinen Augen mit dem "Enhance your post"-Feature selbst aktiv zum Slop beigetragen hat. Genau dieses Feature wird jetzt übrigens ersetzt: durch ein Tool, das nur noch Korrektur liest und deine Stimme unangetastet lässt. Ich werte das als stilles Eingeständnis.

Das “Rewrite with AI”-Feature was ersetzt wird.

Der Community-Ansatz ist interessant. Ob er der richtige Lösungsweg ist? Da habe ich Zweifel.

Ich möchte an das Gute im Menschen glauben. Aber ich weiß leider, dass es so einfach nicht ist. Dieser Button wird missbraucht werden. Von Menschen, die ihn gegen Personen einsetzen, die sie nicht mögen. Von Wettbewerber:innen, in der Hoffnung, dass das Reporten eine negative Auswirkung hat.

Und dann gibt es noch eine dritte Gruppe: die Selbstüberschätzer. Menschen, die meinen, AI Slop todsicher erkennen zu können, und sich beim Reporten wie etwas Besseres fühlen. In Wirklichkeit bestrafen sie Beiträge, die ihnen einfach nicht gefallen und ein bisschen nach KI klingen.

Klar, es gibt Fälle, bei denen sich 99 % aller Menschen sofort einig sind: Das ist Slop. Aber der Rest? Der wird nie zu 100 % sauber zu beurteilen sein. Dass ausgerechnet unser Klickverhalten LinkedIn beibringen soll, was Slop ist, finde ich fragwürdig.

Aber hey, die sind die Experten. Die werden sich schon was dabei gedacht haben. 😉

Konkret für mich: So wie ich mich kenne, werde ich den Button nie wirklich nutzen. Das einzige was ich tue, sind Beiträge die mich in meinem Feed komplett nerven als “keine interesse” zu markieren. Im schlimmsten Fall, wenn ich mehrere Beiträge von einer Person nicht mag und mich triggern, blocke ich sie einfach. Grundsätzlich rege ich mich auch wenig über den AI-Slop auf und versuche aktiv daran zu arbeiten meinen Feed und mein LinkedIn so interessant wie möglich zu halten (eben durch die anderen beiden Möglichkeiten).

Wie ist es bei dir? Glaubst du, dass du es aktiv nutzen wirst?

Die 7-Zeilen-Preview

Ich bin ehrlich: Dazu gibt es noch keine offizielle Info von LinkedIn. Ich habe kein Announcement gefunden, kein Tool und kein Guide dokumentiert es bisher. Alle Preview-Tools da draußen rechnen weiterhin mit drei Zeilen. Einige stimmen zu, andere erzählen, dass sie es noch nicht haben.

Also ich weiß nicht, ob das etwas ist was gerade aktiv nacheinander ausgerollt wird oder ob es ein A/B-Test ist.

(Mal sehen, ob dazu noch offizielle Infos kommen)

Aber ich warte nicht mit der Anpassung. Denn falls das bleibt, ändert sich etwas Grundlegendes:

Der Dreizeiler-Hook, wie wir ihn alle gelernt haben, verliert an Effektivität.

Vor allem die Leute, die mit Cliffhangern und Clickbait vor dem "...mehr" gearbeitet hat. Wenn sieben Zeilen sichtbar sind, kann sich niemand mehr hinter den mysteriösen ersten 3 Zeilen verstecken.

Der zweite Effekt ist mindestens genauso spannend:

Textbeiträge nehmen dadurch deutlich mehr Bildschirmfläche im Feed ein.

Konkret für mich: Ich schreibe die ersten 7 Zeilen bewusster. Dabei versuche ich nicht unnötig mehr Wörter zu benutzen, sondern es noch attraktiver zu machen auf “…mehr” zu klicken. Das “wie” kann ich noch nicht ganz in Worte fassen, aber lass es mich testen und dann hier berichten. Deal?

Carousels (die Opportunity, die der deutsche Raum gerade verschläft)

Bleiben wir bei der Bildschirmfläche, nur in die andere Richtung. Denn während Textbeiträge größer werden, ist die Carousel-Ansicht im Feed kleiner geworden.

Auch hier zur Einordnung: LinkedIn hat sich dazu nicht offiziell geäußert. Aber die Beschwerden von Creatorn und Social Media Managern laufen seit Mai heiß, und ich sehe die Änderung in meinem eigenen Feed.

Und weißt du, was ich dabei beobachte? Im deutschsprachigen Raum liegt hier gerade die größte ungenutzte Opportunity von allen Änderungen in dieser Ausgabe.

Der amerikanische Raum passt sich bereits an, indem sie ihre Grafiken breiter und dadurch größer gestalten. Die meisten deutschen Creator machen dagegen weiter wie bisher: Slides mit Texten, die in der verkleinerten Preview schlicht nicht lesbar sind. Gebaut in der Hoffnung, dass die Leute schon in den Vollbildmodus gehen werden.

Spoiler: Die meisten tun es nicht.

Der große Vorteil von Slideshows war immer die potenziell hohe Verweildauer. Jedes Weiterswipen ist ein Signal an den Algorithmus. Ohne Anpassung kippt genau dieser Vorteil ins Gegenteil: Die Verweildauer ist niedrig, weil niemand unlesbare Slides durchswiped. Und das Einzige, was bleibt, ist, dass du unnötig viel Zeit in aufwendige Grafiken gesteckt hast.

Konkret für mich: Ein Format was ich regelmäßig im Slideshow-Form bespiele sind meine Beitragsanalysen. Aktuell habe ich es vom Stil immer noch so wie ich es vor der Änderung gemacht habe. Das ändert sich aber :)

Kommentare sind jetzt ein eigenes Content-Format

Zwei kleinere Änderungen, die zusammen etwas Großes ergeben.

Die erste kennst du vielleicht schon: Du kannst die Impressionen deiner eigenen Kommentare sehen. Das Feature ist international schon länger ausgerollt.

Die zweite Änderung ist etwas frischer (und auch die habe ich bisher nirgendwo dokumentiert gefunden): Man kann Personen jetzt direkt über ihren Kommentar folgen.

Siehst du, was da zusammen passiert?

Ein guter Kommentar hat jetzt beides: eine messbare Reichweite und einen direkten Wachstums-Hebel. Vorher war ein starker Kommentar unter einem großen Beitrag nette Sichtbarkeit, deren Effekt du nie beziffern konntest. Jetzt siehst du die Impressionen, und die Person, die deinen Kommentar stark findet, folgt dir mit einem Klick.

LinkedIn selbst sagt übrigens, dass schon ein Kommentar pro Woche die Profilaufrufe verdreifachen kann.

Aktivität über Kommentare war schon immer krass unterschätzt. Jetzt ist sie relevanter als je zuvor.

Konkret für mich: Ich habe schon von Anfang an das Kommentieren als festen Bestandteil meiner Routine etabliert. Für mich ist das hier relevanter für meine Kunden. Ich habe ihnen schon immer gesagt, wie wichtig es ist. Jetzt kann ich es noch besser begründen.

Kollaborative Beiträge: mein Plan, aus der Bubble auszubrechen

Die letzte Änderung ist die, auf die ich mich am meisten freue. Seit dem 23. Juli rollt LinkedIn Kollaborative Beiträge global aus: Ein Beitrag kann bis zu fünf Co-Autor:innen haben und erscheint in den Feeds aller Beteiligten gleichzeitig.

(Kleiner Realitäts-Check: Der Rollout läuft schrittweise. Wenn du die Option "Mitwirkende hinzufügen" noch nicht siehst, hat das Feature dein Profil einfach noch nicht erreicht.)

Wer Instagram nutzt, kennt die Mechanik seit Jahren. Für LinkedIn ist sie ein großer Schritt.

Der naheliegende Weg ist, mit Freunden aus der eigenen Bubble / Mitarbeitern / Unternehmensaccount zu posten. Nett, aber strategisch fast wertlos: Unsere Netzwerke überschneiden sich sowieso schon massiv.

Der eigentliche Hebel von Kollaborativen Beiträgen ist, Menschen außerhalb der eigenen Bubble zu erreichen. Mein Plan sieht so aus:

→ Ich suche gezielt nach Menschen, die ich wirklich interessant finde und deren Netzwerk sich mit meinem wenig überschneidet.

→ Ich gehe in Vorleistung und mache die Arbeit für sie: Ich baue das komplette Content-Piece, relevant für sie und ihr Netzwerk.

→ Sie bekommen kostenlosen, fertigen Content. Ich bekomme Zugang zu einem Netzwerk, das ich alleine nie erreichen würde.

Als Format werde ich dafür vor allem mit Slideshows arbeiten. Womit sich der Kreis zum Carousel-Abschnitt schließt: Ich setze bewusst auf das Format, das gerade viele falsch spielen. 😂

Falls du übrigens jemanden kennst (oder selbst jemand bist), mit dem so eine Kollaboration spannend wäre: Antworte gerne auf diese Mail.

Man kann über jedes einzelne dieser Features streiten. Der Slop-Button wird missbraucht werden. Die 7-Zeilen-Preview ist vielleicht nur ein Test, der wieder verschwindet. Vielleicht liege ich bei der Carousel-Einschätzung auch daneben.

Aber ehrlich gesagt ist mir das fast egal. Entscheidend ist für mich, dass LinkedIn überhaupt sichtbar baut.

Das beste Anti-Beispiel dafür ist Xing. Einst der stärkste Konkurrent von LinkedIn im deutschsprachigen Raum. Heute wahrscheinlich nicht mal mehr auf deren Radar. Stillstand ist auf Plattformen tödlich, und LinkedIn steht gerade alles andere als still.

Und noch etwas hat sich geändert, das mir lange gefehlt hat: die Kommunikation zu uns Usern. Warum wird etwas getestet? Was erhofft man sich davon? Warum fliegt ein Feature wieder raus? Genau diese Erklärungen sind in den letzten Wochen spürbar mehr geworden. Srinivasans öffentliche Einordnung zum Slop-Button ist das beste Beispiel. Ich hoffe sehr, dass sie das beibehalten.

Ich habe schon vor einigen Monaten in einem Beitrag geschrieben, wie sehr ich es feiere, dass LinkedIn aktiv an Neuerungen arbeitet. Nach dieser Woche, mit zwei Entdeckungen in zwei Tagen, gilt das mehr denn je.

Jetzt du: Welche dieser Änderungen siehst du schon in deinem Feed? Und passt du dich bereits an oder wartest du noch ab? Antworte einfach auf diese Mail, ich lese alles.

Bis nächste Woche Sonntag,

Samuel

P.S.

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