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Hey Blues 👋
Ich durfte letzte Woche mit einer Business Creatorin sprechen, die eine starke Social-Media-Präsenz hat und deren Stimme in meinen Augen gerade wichtiger ist denn je:
Kira Marie Cremer.
Vielleicht kennst du sie als die New-Work-Stimme auf LinkedIn. Podcast "New Work Now" mit der FUNKE Mediengruppe, eigenes Buch "Eingetaucht: New Work", Personio HR Top Voice, Business Punk Watchlist, Interviews bei ntv.
Kira hat jahrelang definiert, wie hier über die Zukunft der Arbeit gesprochen wird.
Und Spoiler: Genau diese Positionierung hat sie vor Kurzem freiwillig angepasst.
Wieso sie das macht, wie sie ihre Personal Brand aufbaut, was sie das kostet und was sie anderen für den Aufbau empfiehlt: Über all diese Punkte haben wir in unserem Gespräch geredet.
In dieser Ausgabe:
Wie aus einer Eventmanagerin ohne Events die bekannteste New-Work-Stimme wurde
Warum Kira ihre erfolgreichste Positionierung anpasst
Wie sie ihre Personal Brand aufbaut und was sie konkret empfiehlt
Let’s go! 🕺


Wenn dein Job über Nacht verschwindet
2019 arbeitet Kira als Eventmanagerin. Ein Beruf, der von vollen Räumen lebt.
Dann kommt 2020. Und mit Covid verschwinden die vollen Räume.
Kira macht in dieser Zeit etwas, das damals kaum jemand macht: Sie kombiniert Festanstellung und Selbstständigkeit und fängt an, auf LinkedIn offen darüber zu schreiben. Über diesen Zwischenzustand, über Arbeit, über die Frage, wie man das alles eigentlich nennt.
Beim Recherchieren stößt sie auf einen Begriff, der ihre nächsten fünf Jahre bestimmen wird: New Work. Sie macht eine Weiterbildung zum New Work Facilitator und stellt sich eine Frage, die ich aus fast jeder Origin-Story erfolgreicher Creator kenne:
"Warum macht das keiner so, dass es jeder versteht? Wenn es niemand macht, dann mach ich es eben selber."

Die Lücke war offensichtlich: Über New Work sprachen damals Berater mit Beratern. Kira sprach mit den Menschen, um die es eigentlich ging.
2022 zahlt sich der Fokus aus. Die FUNKE Mediengruppe fragt sie für den Podcast "New Work Now" an. Speaking-Anfragen kommen rein. Sie kündigt ihre Festanstellung, gibt LinkedIn-Trainings und Workshops. 2023 folgt das erste bezahlte Posting, was für LinkedIn-Verhältnisse generell sehr früh ist.
2024 erscheint ihr Buch. Sie wird als HR Top Voice ausgezeichnet und unterrichtet als Dozentin. Von außen sieht das aus wie eine Karriere, die man einfach weiterlaufen lässt.
Genau an diesem Punkt wird die Geschichte interessant.

Der Moment, in dem sie ihr eigenes Thema angepasst hat
Es gibt zwei Ebenen, auf denen sich Kiras Content in diesen Jahren verändert hat. Die erste ist persönlicher, die zweite auch… aber beinhaltet auch Strategie. Und ich glaube, man versteht die zweite nur mit der ersten.
Die erste:
Über die Jahre kommt bei Kira eine Depression dazu. Sie entscheidet sich, öffentlich darüber zu schreiben. Bewusst als jemand, der es selbst erlebt, ohne sich als Expertin für mentale Gesundheit zu positionieren. Diese Unterscheidung fand ich im Gespräch bemerkenswert, weil sie eine “Grenze” überschreitet, die viele Creator nicht überschreiten: Du darfst über Dinge sprechen, die dir wichtig sind, ohne ein Produkt daraus zu machen.
Die zweite:
Letztes Jahr geht Kira auf Weltreise. Und irgendwo unterwegs passiert das, was sie im Gespräch als wachsende Frustration beschrieben hat. Der Podcast läuft erfolgreich, die Marke steht, aber das Thema dahinter fühlt sich zunehmend hohl an. New Work war ein Versprechen an die Arbeitswelt. Eingelöst wurde es kaum. Vieles läuft sogar rückwärts: Rückkehr ins Büro, Sparprogramme, Kulturthemen fliegen als erstes aus dem Budget.
Kira zieht daraus eine Konsequenz, die ich echt respektiere. Sie hört auf, die Utopie zu verkaufen. Weg von New Work, hin zu dem, was sie heute “Real Work” nennt:
Ehrlich darüber sprechen, wie Arbeit wirklich ist, statt darüber, wie sie in der Theorie sein sollte. Ihr LinkedIn-Profil trägt heute den Claim "Ich teile, was über Arbeit nicht gesagt wird". Mit "hotline hours" hat sie gemeinsam mit Selma Sadikovic einen neuen Podcast gestartet, der genau da ansetzt: echte Karrierefragen, echte Zweifel, echter Joballtag.
"Ich will die Stimme sein, die ehrlich ist. Als Selbstständige habe ich nichts zu verlieren, deswegen kann ich darüber sprechen."
Halten wir kurz fest, was hier passiert ist. Kira hat eine Positionierung, die nachweislich funktioniert (Buchvertrag, Medienpodcast, Bühnen, Auszeichnungen), umgeshiftet.
Okay, von New Work zu Real Work ist vielleicht nicht so groß wie von Beauty zu Investment Banking. Ja, die Anpassung mag für einige nicht groß wirken. Aber je länger man darüber nachdenkt, desto größer wird sie. Der Shift von New Work zu Real Work ändert schon sehr viel am tatsächlichen Content und an den tatsächlichen Themen. Sie hätte alles so lassen können, wie es immer war und wie es immer funktioniert hat. Aber sie hat sich für den Purpose hinter ihrer Arbeit und ihrer Stimme entschieden.
Die meisten Personal Brands sterben mit ihrem Thema, weil sie sich komplett von ihm abhängig machen.
Bei Kira ist das anders. Und das funktioniert nur aus einem Grund:
Ihre Leute folgen ihr, und dem Thema nur in zweiter Linie. Das Vertrauen hängt an der Person. Das Thema ist austauschbar.
Siehst du, was das für dich bedeutet? Wenn deine gesamte Brand auf einem Trend-Begriff aufgebaut ist, gehört dir die Brand nur so lange, wie der Begriff lebt.

Was eine Personal Brand kostet, die zu 100 Prozent auf dir läuft
Jetzt zu einigen Zahlen ihrer Personal Brand, die mich sehr interessiert haben.
Kiras persönlicher Umsatz teilt sich aktuell ungefähr so auf:
→ 60 Prozent Brand-Kooperationen: bezahlte Partnerschaften, fast immer mit LinkedIn als Leitplattform. Instagram und TikTok verkauft sie selten allein, LinkedIn wird immer zuerst verkauft.
→ 40 Prozent Speakings: Keynotes und Vorträge, unter anderem zu Real Work, Arbeitskultur und mentaler Gesundheit.

Falls du die letzte Deep-Dive-Ausgabe zu Sarah Emmerich gelesen hast, siehst du sofort den Kontrast. Sarah verdient 10 Prozent direkt über ihre Personal Brand, der Rest läuft über Agentur, Event und Mentoring. Bei Kira ist es das Gegenteil: 100 Prozent ihres Umsatzes zielen direkt auf ihre Person. Jede Kooperation, jedes Speaking bucht Kira, nicht eine Firma hinter Kira.
Ich habe Kira gefragt, was es sie aktuell kostet, ihre Personal Brand aufzubauen.
Ihre Antwort:
→ 20 Stunden pro Woche allein für LinkedIn. Postings planen, schreiben und vor allem Community Management. Werbekooperationen kommen obendrauf und dauern länger. (Dazu kommen weitere Stunden für ihren Podcast, Instagram und TikTok.)
→ 4 Mitarbeiterinnen auf Minijob-Basis, zwei davon ausschließlich für den Podcast.
→ Eine feste Tagesroutine: Gepostet wird zwischen viertel vor acht und viertel nach acht, nur an Wochentagen, davor und danach ist sie aktiv auf der Plattform. Kommentieren, antworten, lesen. Über den Tag verteilt immer wieder.
Das Einzige, was Kira niemals abgeben würde
Weißt du, was die häufigste Frage ist, die mir als Ghostwriter gestellt wird? Was man alles auslagern kann.
Kiras Antwort darauf hat mich gehumbled, gerade weil ich beruflich auf der anderen Seite sitze.
Sie lagert vieles aus. Alles, was ihr keinen Spaß macht. Aber es gibt eine rote Linie, und die zieht sie schärfer als jeder andere Creator, mit dem ich bisher gesprochen habe:
"Community Management ist das Letzte, was du abgeben solltest. Dann lieber weniger posten."
Und Community Management heißt bei ihr ausdrücklich mehr, als die Kommentare unter den eigenen Beiträgen zu beantworten. Es heißt: raus zu den Leuten. Bei ihnen kommentieren, sich mit ihren Inhalten beschäftigen, in den Austausch gehen. Sich für Reposts bedanken. DMs schreiben, wenn dir etwas gefallen hat.

Die Reichweite gehört dem Algorithmus. Die Beziehung gehört dir.
Interessant wird das vor dem Hintergrund, wie Kira KI einsetzt. Sie nutzt sie nämlich durchaus intensiv: für Recherche, für Performance-Analysen, mit Claude im Browser, um Insights aus der eigenen Woche zu ziehen (was ist passiert, was machen ähnliche Profile gerade gut) und um die eigenen Beiträge challengen zu lassen. KI als Sparringspartner, ja. KI-generierte Kommentare unter fremden Posts? Für sie undenkbar. Genau an der Stelle, wo die Beziehung entsteht, bleibt der Mensch.
Kiras herangehensweise, wenn sie heute bei null anfangen würde
Zum Schluss habe ich Kira gefragt, was sie jemandem mitgibt, der ein Angebot hat, aber keine Reichweite:

→ Mach dein Profil glasklar. Wer draufschaut, muss sofort verstehen, wofür du stehst.
→ Kommentiere mehr, als du postest. Kommentare bekommen inzwischen sichtbare Reichweite. Behandle sie wie Content und optimiere sie auch so.
→ Nutze deine Vernetzungsanfragen. LinkedIn erlaubt dir 30.000 Kontakte. Die meisten nutzen einen Bruchteil davon. Kira selbst sagt offen, dass sie das früher versäumt hat und es heute anders machen würde.
→ Sei erreichbar und echt. Bedanke dich für Reposts, schreib DMs, wenn dich etwas begeistert hat. Menschen merken, ob du echt bist.
→ Lass dich nicht entmutigen. Der Anfang ist zäh, und das ist normal.

Personal Branding is a business. Auf Instagram und TikTok sehen wir ziemlich oft, wie Creator ihre Reichweite monetarisieren und genau das zu ihrem Business wird. Auf LinkedIn sehen wir eher die Business Owner, bei denen die Reichweite zum Hebel für ihr eigentliches Business wird.
Aber du kannst dir auch als LinkedIn Creator ein Business aufbauen, indem du deine Reichweite monetarisierst. Etwas Interessantes, das Kira gesagt hat: Die Content-Kooperationen auf LinkedIn machen ihr richtig Spaß, weil sie mit den Werbebeiträgen echte Diskussionen und Gespräche anregen kann. Das war früher nicht so, Werbung war auf LinkedIn lange verpönt. Heute funktionieren auch diese Beiträge richtig gut.
Und jetzt, wo mit dem Creator Marketplace auch der erste offizielle Marktplatz da ist sieht man, dass LinkedIn diese Modelle aktiv enablen will.
Etwas anderes, das mir hängen geblieben ist: die Freiheit, die man als Personal Brand hat, wenn man ein starkes Vertrauen zur Community aufgebaut hat. Wenn du es "richtig" machst, sind sie bei dir, egal worüber du sprichst.
Genau das inspiriert mich gerade. Content mit Mehrwert erstellen, der anzieht und in Erinnerung bleibt. Und es dann aber auch schaffen, meine Persönlichkeit zu teilen und echtes Vertrauen aufzubauen.
Wie das genau aussieht, teile ich, wenn ich das Gefühl habe, dass ich damit vorankomme haha!
Bis nächste Woche Sonntag,
Samuel

Firmen suchen händeringend nach Creatorn und merken langsam, dass sie eventuell schon welche beschäftigen.
Marken holen Creator immer öfter in den kreativen Prozess statt nur einen Post einzukaufen.
Eine Einordnung darüber, dass die Plattformen KI-Content gleichzeitig befeuern und eindämmen wollen. Wenn dieser Widerspruch bestehen bleibt, wird erkennbar menschlicher Content zum knappen Gut.
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