
In Unterstützung mit beehiiv
Hey Blues 👋
Diese Woche hatte ich einen richtig tollen Moment:
Ich habe LinkedIn geöffnet und gesehen, dass ein Beitrag von mir 50.000 Impressionen erreicht hat. Genau im gleichen Moment, als ich mir das angeschaut habe, erhielt ich eine Antwort auf meinen letzten Newsletter:

Liebe das Feedback… aber “geile Sau”? hahaha
So eine Nachricht von jemandem den ich nicht kenne, hat mir 100x mehr bedeutet als diese 50.000 Impressionen. Die 1 Nachricht war wertvoller für mich.
Daraufhin bin ich in eine kleine Rabbit-Hole in Bezug auf den “Wert” von Impressionen gekommen und möchte mit dir darüber sprechen, wie wir unsere Impressionen “wertvoller” machen können.
In dieser Ausgabe:
Warum die sinkende LinkedIn-Reichweite gerade die falsche Debatte auslöst
Der Denkfehler, der aus 50.000 Impressionen null Kunden macht
Fünf Regler, mit denen du den Wert deiner Aufmerksamkeit steuerst (ohne mehr zu posten)
Let’s go! 🕺


Alle reden über die Menge. Keiner über den Kurs.
Falls du in den letzten Monaten auf LinkedIn unterwegs warst, kennst du die Klagelieder:
Die Reichweite bricht ein. Und das ist kein Gefühl, das ist messbar.
→ Gleichzeitig posten alle mehr. Mehr Accounts, mehr Beiträge, ein wachsender Anteil davon KI-generiert. Der Feed ist voller als je zuvor, während die durchschnittliche Session-Zeit der Nutzer bei wenigen Minuten liegt.
Die Reaktion der Szene darauf?
Hacks. Posting-Zeiten. Format-Tricks. Kommentar-Pods. Alles Versuche, die alte Menge zurückzuholen.
Und genau da liegt der Denkfehler.
Wir behandeln Aufmerksamkeit wie eine Währung mit festem Kurs.
Eine Impression = eine Impression. Ist sie aber nicht.
Aufmerksamkeit hat einen Wechselkurs. Und der schwankt brutal.

Die Rechnung, die niemand aufmacht
Lass mich das an meinen eigenen Zahlen durchspielen.
Mein Business lebt davon, dass aus Lesern irgendwann Kunden werden. Ghostwriting über mehrere Monate oder einmalige Beratung. Das heißt: Aufmerksamkeit ist für mich nur dann etwas wert, wenn sie auf eine Beziehung einzahlt, die zu diesem Ergebnis führen.
Jetzt der challenge:
Was ist eine Impression in dieser Logik wert?
Szene 1:
Montagmorgen, 10:34 Uhr. Marketing Manager A, muss auf Klo und zückt aus Gewohnheit sein Handy raus. Er scrollt mehrmals durch den Feed, bleibt bei meinem Post 3 Sekunden hängen. Zack, ich habe meine Impression und Marketing Manager A ist fertig mit seinem Geschäft. (Er kennt mich nicht, folgt mir nicht, hat noch nie einen Beitrag von mir vorher gelesen und wird sich nach dem Händewaschen auch nicht mehr an mich erinnern)
Das ist gefundene Aufmerksamkeit. Ich nenne sie so, weil Marketing Manger A mich gefunden hat, per Algorithmus, ohne eigene Absicht dahinter.
Und dann gibt es Szene 2:
Es ist Sonntag und Founder B macht sich um 9:21 Uhr seinen Kaffee. Auf seinem Handy steht auf der Gmail-App eine 1. Er geht auf die App, sieht die Branding Blueprint Ausgabe und klickt drauf. Zack, ich habe meine Impression und Founder B hat etwas zum Lesen für seinen Kaffee.
Founder B hat am Ende eine Entscheidung getroffen. Klein, aber bewusst.
Das ist gesuchte Aufmerksamkeit.
Beide zählen als "1" in irgendeiner Statistik. Aber ihr Wert unterscheidet sich um Größenordnungen.

Die gute Nachricht in den aktuellen Daten wird deshalb komplett übersehen:
Ja, die Impressionen sinken. Aber das Engagement pro Impression steigt. Weniger Likes von Zufallspassanten, mehr echte Diskussionen, mehr qualifizierte Kontakte. Der Feed spült weniger Laufkundschaft an, aber die, die bleibt, meint es ernster.
Der Wechselkurs deiner Aufmerksamkeit ist gerade gestiegen. Nur misst das niemand, weil alle auf die Menge starren.

Fünf Regler statt einer Zahl
Wenn Aufmerksamkeit einen Wechselkurs hat, ist die spannende Frage: Kannst du ihn beeinflussen?
Ich glaube ja.
Ich habe für mich fünf Regler identifiziert, an denen der Kurs hängt. Keiner davon ist ein An/Aus-Schalter, alle sind stufenlos. Und du musst keinen davon auf Anschlag drehen.

Regler 1: Gesucht vs. gefunden.
Hat die Person deinen Content bewusst angesteuert oder wurde er ihr in den Feed gespült? Newsletter, Podcast, gespeicherte Profile: gesucht. Feed-Scroll: gefunden. Gesuchte Aufmerksamkeit startet mit Absicht, und Absicht ist der Rohstoff für alles, was danach kommt.
Regler 2: Richtig vs. viele.
Meine ersten Newsletter-Leser waren Freunde und Familie. Fühlte sich gut an, hat aber exakt null aufs Business eingezahlt. 100 Leser, die deinem Wunschkunden ähneln, sind mehr wert als 10.000, die nur zufällig vorbeikamen. (Es sei denn, du verkaufst Werbeplätze. Dann, und wirklich nur dann, ist Masse deine Währung.)
Regler 3: Dabei vs. nebenbei.
Je aktiver der Konsum, desto stärker die Verbindung. Das ist teilweise Formatsache und liegt teilweise schlicht außerhalb deiner Kontrolle. Aber du kannst Inhalte bauen, die Mitdenken belohnen.
Regler 4: Zeit-Konto.
Ich bin überzeugt: Vertrauen ist ein Ergebnis von gemeinsam verbrachter Zeit. Content ist deine Möglichkeit, diese Zeit zu skalieren. 10 Minuten Lesezeit in einer Ausgabe wirken anders als 5 Sekunden verteilt auf 10 Posts. Und regelmäßige Treffen (jeden Sonntag, same time, same place) zahlen auf dasselbe Konto ein.
Regler 5: Berater vs. Entertainer.
Wie bist du im Kopf der Leute abgespeichert? Als jemand, der unterhält, oder als jemand, den man fragt, bevor man eine Entscheidung trifft? Beides ist legitim. Aber das Beratungs-Regal bezahlt besser, wenn dein Modell Kunden heißt und Dienstleistung dahintersteht.
Wichtig, und das meine ich ernst: Rechts ist auf keinem dieser Regler automatisch besser. Wer maximal auf Tiefe und Beratung dreht, verkleinert sein Publikum drastisch. MrBeast steht auf fast allen Reglern links und ist damit sehr, sehr erfolgreich geworden. Die Regler beschreiben keinen Moralkompass. Sie beschreiben, welche Art von Wert du einsammelst.

Falls du jetzt denkst "schön, aber ich brauche trotzdem Reichweite": Ja. Ich auch. LinkedIn bleibt mein Discovery-Kanal, daran ändert diese Ausgabe nichts.
Der Punkt ist ein anderer. Die meisten von uns optimieren zu 100 Prozent auf die Menge und zu 0 Prozent auf den Kurs. Dabei ist der Kurs der Teil, den du deutlich besser kontrollieren kannst als einen Algorithmus, der sich alle paar Monate umentscheidet.
Mein Vorschlag: Nimm dir einen einzigen Regler und schieb ihn um 10 Prozent.

Ein paar konkrete Beispiele, wie das aussehen kann:
→ Du postest nur im Feed? Bau eine Möglichkeit ein, dass Leute dich abonnieren können (Newsletter, LinkedIn-Newsletter, von mir aus eine Broadcast-Liste). Das verschiebt Regler 1.
→ Deine Posts sprechen "alle Selbstständigen" an? Schreib den nächsten für genau eine Person, deinen Wunschkunden. Regler 2.
→ Du produzierst nur Snackable Content? Schreib einmal im Monat ein Stück, das 8 Minuten Lesezeit braucht und es wert ist. Regler 3 und 4 gleichzeitig.
Nur ein Regler. Nur 10 Prozent. Der Rest bleibt, wie er ist.

Ich glaube, wir erleben gerade das Ende einer Phase, in der die Menge an Aufmerksamkeit als Stellvertreter für Erfolg durchging. Die Plattformen werden voller, die Feeds werden von KI-Content geflutet, und die durchschnittliche Impression wird dadurch jedes Jahr ein bisschen wertloser.
Was dagegen im Wert steigt: die Momente, in denen ein Mensch dich bewusst ansteuert.
Reichweite kann dir jede Plattform jederzeit wegnehmen. Den Wechselkurs deiner Aufmerksamkeit nimmt dir niemand.
Ich will das gar nicht größer machen, als es ist. Impressionen bleiben nützlich, Discovery bleibt wichtig, und niemand baut eine Brand aus dem Nichts ohne die Laufkundschaft aus dem Feed. Aber wenn du diese Woche nur eine Sache mitnimmst, dann die Frage, die ich mir jetzt bei jedem Stück Content stelle:
Sammle ich hier gerade viele billige Impressionen ein oder wenige wertvolle?
Ich bin gespannt, was du von dem Gedanken hältst! Antworte mir gerne jederzeit auf diese Mail, ich lese alles!
Bis nächste Woche Sonntag, Samuel
P.S.
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